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Brief - Liebe Lotta

BRIEF:

20. Februar 2010

Liebe Lotta,

im Moment sind sie das Horrorpaar: Schnee und Schlaglöcher. Die Schlaglöcher in Straßen - bei uns im Kreis, aber auch im ganzen Ruhrgebiet. An der Tankstelle hörte ich neulich jemanden ganz übel schimpfen. Die Städte sollten endlich vernünftige Straßen bauen und nicht ständig nur die Löcher stopfen.

Recht hat er - woran er nicht gedacht hat: Uns fehlt das Geld, um die Straßen richtig zu sanieren. Wir haben ja nicht einmal das, um sie zu flicken. Wir brauchen Kredite, um Aufgaben zu erledigen, die andere uns zugeschustert haben.

Deshalb klagen wir ja auch gegen das Land. Zehn Bürgermeister – egal ob schwarz oder rot – und der Landrat ziehen an einem Strang. Das war in der Vergangenheit oft unvorstellbar. Aber jetzt geht das.

Es ist noch nicht lange her, da beklagten sich die Städte im Münsterland, die Ruhrgebietsstädte seien selbst schuld, sie könnten nicht mit Geld umgehen. Inzwischen hat man auch dort verstanden, dass hier nicht lauter durchgeknallte Kämmerer und verrückte Bürgermeister am Werke sind, sondern dass das Geld vorne und hinten nicht reicht.

Besonders ärgert mich, wenn einer die letzten verbliebenen freiwilligen Leistungen streichen will. Es kann doch keiner ernsthaft wollen, dass wir die Frauenhäuser schließen! Stell Dir mal, eine Frau in Not steht mit Kind, Koffer und Kanarienvogelkäfig vor einem Frauenhaus, und muss lesen: ‚Weil dies eine freiwillige Leistung war, mussten wir die Einrichtung leider schließen!’ Das kann keiner wirklich wollen!

Bei einem Termin bin ich neulich gefragt worden, warum die Bürger den Ernst der Lage noch nicht begriffen haben. Ich glaube, das liegt daran, dass wir immer bemüht waren, die Sparmaßnahmen nicht zulasten der Bürger durchzuführen. Aber jetzt geht das nicht mehr. Das fängt bei den Schlaglöchern an und hört bei Bildung und Kinderbetreuung auf.

Drück die Daumen, damit die Richter unsere Hilferufe hören…

Liebe Grüße

Cay