Seitenanfang

Sprungmarken

Hauptinhalt

MELDUNG:

03. Juli 2009

Tagung: Soziale Disparitäten

Unterstützung für die Klage gegen das Land NRW
Gibt es einen Zusammenhang zwischen Armut der Familie und Bildungschancen von Kindern? Die Teilnehmer der Tagung „Soziale Disparitäten – Lebenslagen und Chancen von Familien und Kindern“ am 2. Juli im Herten Glashaus haben darauf eine eindeutige Antwort bekommen: Ja!

Das Zentrum für interdisziplinäre Regionalforschung (ZEFIR) und die Stadt Herten hatten zu einer wissenschaftlichen Tagung ins Glashaus geladen. Über 150 Bürgermeister, Beigeordnete, Fachkräfte und interessierte Bürger der Region folgten aufmerksam den Ausführungen der Experten aus den unterschiedlichen Fachgebieten.

Prof. Dr. Klaus Peter Strohmeier (Leiter ZEFIR), informierte die Tagungsteilnehmer über Bevölkerung und Sozialstruktur in NRW – „Kommt drauf an, wo man ist“: „Die moderne Soziologie hat moderne Gesellschaften zunehmend raumlos und unabhängig von räumlichen Voraussetzungen gedacht, wo man ist, sollte in der Moderne zunehmend irrelevant sein. Aktuelle Debatten über Armut und soziale Exklusion zeigen, dass Lebenslagen der Menschen und die Lebenschancen ihrer Kinder sehr wohl regional differenzieren. Räumliche Bedingungen wirken fördernd oder beschränkend.

Holger Wunderlich (Faktor Familie GmbH) setzte die Region in Relation zu anderen Gegenden: „Beim Vergleich der Kommunen aus der Emscher-Lippe-Region (Gelsenkirchen, Herten, Herne, Gladbeck und Castrop-Rauxel) mit den anderen an der Familienberichterstattung beteiligten Kommunen zeigt sich, dass die Kommunen in der Emscher-Lippe-Region besonders häufig von Familienarmut betroffen sind. Während in den restlichen Kommunen „nur“ 16 Prozent der Familien in armen Verhältnissen leben, gilt dies in der Emscher-Lippe-Region für mehr als jede vierte Familie. Das Armutsrisiko von Familien hängt insbesondere von der Bildungsqualifikation und (daraus folgend) der Erwerbsbeteiligung bzw. Nichterwerbsbeteiligung der Eltern ab. Kinder aus armen Familien gehen deutlich seltener auf höher qualifizierende Schulen als Kinder aus nicht armen Familien.“

Volker Kersting (ZEFIR) konzentrierte sich in seinem Vortrag auf die Entwicklung von Kindern. „Aufwachsen in Armut wirkt sich in den frühen Lebensjahren besonders nachteilig auf die Entwicklungschancen von Kindern aus. Armut und prekäre Lebenslagen behindern gesundheitliche, kognitive und soziale altersgemäße Fortschritte.“ „Wächst in Nordrhein-Westfalen mittlerweile jedes sechste Kind unter Armutsbedingungen auf, so ist es im Ruhrgebiet jedes vierte. Der Kreis Recklinghausen und einige seiner Gemeinden fallen durch ein besonders hohes Armutsniveau vor allem von jungen Kindern auf.“

Die demografische Entwicklung stand im Mittelpunkt des Vortrags von Prof. Dr. Klaus Harney von der Ruhr-Universität Bochum: „Die berufliche Ausbildung schließt nicht mehr die lebenszeitliche Lücke zwischen Schulentlassung und Erwerbstätigkeit. Dies gilt nur noch für eine Minderheit von Jugendlichen. Stattdessen hat sie sich zum markanten Signal entwickelt, an dem sich Förderprogramme, Übergangsperioden und Erwerbschancen ausrichten.“

Auf Disparitäten im Bildungsbereich – Kleinräumige Analysen der Schulstatistik hat sich Tobias Terpoorten (ZEFIR) spezialisiert: „Es wird deutlich, dass sich Bildungschancen in unserer Gesellschaft systematisch entlang der Grenzen von sozialer und sozialräumlicher Ungleichheit verteilen, d.h. je mehr ein Sozialraum von Armut und Benachteiligung geprägt ist, desto geringer ist der Anteil der Kinder, die zum Gymnasium wechseln, und umso höher ist der Anteil derer, die nach der Grundschule die Hauptschule besuchen.“

Angelika Engelbert (ZEFIR), rät den Städten zu Kommunalem Management: „Das familiale Leistungspotential kann nur durch eine umfassende strategische Aufstellung der Kommunen für Familien gestärkt und genutzt werden. Hier sind Verantwortlichkeit, Initiative und Kreativität gefordert. Über ein kommunales Management für Familien, das auf mehreren Handlungsebenen operiert, das sowohl eine Innen- als auch eine Außenperspektive anlegt und qualitätsorientiert vorgeht, lassen sich gute Voraussetzungen hierfür schaffen.“

Zur besonderen finanziellen Situation der Ruhrgebietsgemeinden äußerte sich Prof. Dr. Martin Junkernheinrich von der TU Kaiserslautern.

Ausführlichere Informationen zu den einzelnen Vorträgen finden Sie als PDF-Dokument im Anhang dieser Meldung.

(Quelle: Stadt Herten)
Dokumente:
Soziale Disparitäten - Dokumentation