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Brief - Liebe Lotta

BRIEF:

08. Juni 2009

Liebe Lotta,

Du fragst, wie dieses Bankendesaster eigentlich passieren konnte?

Du kennst ja die Schlange aus dem Dschungelbuch, die säuselt: „Vertraue mir...!“ Wenn einer vor der Haustür steht und 20% Gewinn verspricht, wenn man ihm nur sofort das Sparbuch anvertraut, würde man dem mit tiefstem Misstrauen begegnen und ihn vom Hof jagen. Den Nieten in Nadelstreifen haben wir alle zu sehr vertraut – und ihnen das Ersparte anvertraut.

Jetzt, nach dem Platzen der großen Spekulationsblase, muss der Staat, müssen wir alle also, den „Bankstern“ Kaution stellen wie in einem Gangsterfilm. Die Banker trauen sich heute nicht einmal mehr selbst, wenn sie morgens das Portmonee von der einen in die andere Hose stecken. Und anderen Banken schon gar nicht.

Systemrelevant sind Aktiengesellschaften und Fonds für mich nur, weil die Familien „systemrelevant“ sind, die von der Arbeit bei OPEL, bei Karstadt und in all den kleinen oder größeren Betrieben leben – und dafür brauchen wir eben auch Banken und Aktiengesellschaften.

Wir Menschen können ohne gegenseitiges Vertrauen nicht leben. Aber Vertrauen beruht auf unserer eigenen, ganz persönlichen Erfahrung. Da gilt immer noch: Trau, schau wem. Peer Steinbrück muss jetzt alles tun, dass den Banken die Zügel angelegt werden.

Liebe Grüße

Cay