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10. März 2015

Rolf Abrahamsohn ist 90 Jahre alt

Vestischer Ehrenbürger feiert seinen Geburtstag im Kreishaus
90. Geburtstag Rolf Abrahamsohn - Plenum
90. Geburtstag Rolf Abrahamsohn - Rolf Abrahamsohn
90. Geburtstag Rolf Abrahamsohn - Gratulation
Rolf Abrahamsohn, Vestischer Ehrenbürger aus Marl, ist 90. Rund 120 Gäste fanden sich am Montagabend im Großen Sitzungssaal des Kreishauses ein, um den runden Geburtstag Rolf Abrahamsohns zu feiern. Zahlreiche Redner gaben Einblick in sein bewegtes Leben.

Nach einer glücklichen Kindheit in Marl durchlebte der 1925 geborene Rolf Abrahamsohn die Schreckensjahre der nationalsozialistischen Herrschaft. Sieben verschiedene Konzentrations- und Arbeitslager überlebte er knapp – als einziger aus seiner Familie. Dennoch kehrte er nach der Befreiung aus dem Konzentrationslager in seine Heimatstadt Marl zurück. Er prägte von da an das jüdische Leben im Ruhrgebiet und setzte sich trotz der belastenden Erinnerungen dafür ein, die Zeit der Judenverfolgung nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. 2002 erhält er das Bundesverdienstkreuz, 2011 wird er zum „Vestischen Ehrenbürger“ ernannt.

„Es ist uns eine Ehre, dass Sie sich entschieden haben, Ihren Geburtstag mit uns im Kreishaus zu feiern“, sagte Landrat Cay Süberkrüb. „Und es ist nicht nur eine kleine Runde geworden.“ Zahlreiche Freunde, Bekannte und Vertreter aus Politik und Kultur waren gekommen, um an das Lebenswerk Rolf Abrahamsohns zu erinnern, seinen Einsatz zu würdigen und vor allem, um ihm zu gratulieren. Jiddische Lieder und eine Jazz-Version von „Happy Birthday“, in die der ganze Saal einstimmte, rahmten den eigentlichen Höhepunkt des Abends ein: den Rückblick auf die vergangenen Jahrzehnte im Leben Rolf Abrahamsohns, geschildert von Weggefährten.

So erinnerte sich Boris Wolfson daran, wie Rolf Abrahamsohn ihm nach seiner Flucht aus der ehemaligen Sowjetunion als Integrationshelfer zur Seite stand, ihn zu Behördenterminen begleitet und zum Essen eingeladen habe: „Ich weiß noch, wie er mich in seinem roten Mercedes abholte. Von da an wurde ich ihn nicht mehr los.“ Ruth-Anne Damm vom Heimatsucher e.V., die zwischen Schülern und Überlebenden des Holocaust vermittelt und seit 2013 mit Rolf Abrahamsohn in Kontakt steht, erklärte unumwunden: „Wir haben Sie unheimlich gern.“

Unzählige Male hat Abrahamsohn, der eigentlich nicht gern im Mittelpunkt steht, Schülern von seinen Erlebnissen erzählt und sich ihren Fragen gestellt – auch wenn es für ihn nicht leicht ist, sich immer wieder mit den Erinnerungen zu konfrontieren. In seiner Geburtstagsansprache betont er jedoch, dass er das als seine Verpflichtung sehe. Er habe sich oft selbst gesagt: „Wenn Schüler dich suchen, dann geh hin. Und wenn du von 50 Kindern nur eines davon überzeugst, dass Juden nicht schlechter sind als Christen, dann hast du viel erreicht.“

Auch das Geburtstagsgeschenk, das Landrat Cay Süberkrüb dem Jubilar überreichte - ein großes Bild mit einem Baum - verweist auf eine weitere Herzensangelegenheit Rolf Abrahamsohns: Im Andenken an seine Familie lässt er auf einem eigenen Grundstück in Israel Bäume pflanzen. 5000 sollen es werden, 2500 sind es schon.

(Quelle: Kreis Recklinghausen)