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PRESSEMITTEILUNG:

31. Mai 2013

Erste Windstrom-Elektrolyse-Anlage NRWs in Betrieb

Herten bei der Energiewende vorne dabei
Windstrom-Elektrolyse-Anlage in Herten
Der „rote Knopf“ ist gedrückt – die erste Windstrom-Elektrolyse-Anlage NRWs ist jetzt offiziell am Start. Die innovative Anlage im Anwenderzentrum h2herten auf Ewald kann nicht nur Strom erzeugen, sondern auch regenerative Energie in Wasserstoff umwandeln und in dieser Form speichern – ein Fortschritt, der den Umgang mit erneuerbaren Energien sehr viel einfacher machen wird. Das Pilotprojekt wurde vor wenigen Tagen auf der Hannover Messe vorgestellt, in Kürze startet der reguläre Betrieb.

Den Startknopf, der die Anlage in Gang setzte, drückte an der Stelle, an der einst Kohle gefördert wurde, NRW-Umweltminister Johannes Remmel gemeinsam Landrat Cay Süberkrüb, Bürgermeister Dr. Uli Paetzel, Prof. Dr. Bernd Kriegesmann (Präsident der Westfälischen Hochschule) und Thomas Wessel (Evonik-Vorstand).

"Das große Problem der erneuerbaren Energien wie Solar- und Windkraft war bislang, dass man nachts und in bewölkten oder windstillen Phasen keine ausreichende Stromversorgung gewährleisten konnte, weil 'überschüssige' Energie nicht verwertet werden konnte", erläutert Stadtbaurat Volker Lindner das Dilemma. Dies sei nun anders: "Wasserstoff bietet sich ideal als Speichermedium an, da er langfristig gelagert und bei Bedarf in Brennstoffzellen wieder verstromt werden kann." Dies sei auch für die Umsetzung der Energiewende ein zentraler Punkt, so Volker Lindner weiter.

Johannes Remmel, Minister für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen, geht noch einen Schritt weiter: "Ohne die Weiterentwicklung der Speichertechnik kann uns die beschleunigte Energiewende nicht gelingen. Das Konzept der Windstrom-Elektrolyse zeigt uns, was heute schon im Bereich der Wasserstoffspeicherung und -nutzung möglich ist. Auch die Nutzung des Wasserstoffs als Kraftstoff ist ein vielversprechender Weg, um Erneuerbare Energien in den Verkehrssektor zu integrieren und die Klimaschutzziele der Landesregierung voranzubringen."

Auf den ersten Blick wirkt die Anlage im Anwenderzentrum h2herten recht unscheinbar. Erst bei näherem Hinsehen entdeckt der fachfremde Betrachter, welche Kraft sich hinter den dünnen Metalltüren der einzelnen Komponenten versteckt: Brennstoffzellen, die mit einer Spitzenleistung von 50 Kilowatt ganze 25 Einfamilienhäuser mit Strom versorgen könnten. Der Elektrolyseur, der unter Volllast bis zu 30 Kubikmeter hochwertigen Wasserstoffs erzeugen kann. Batteriespeicher mit modernsten Lithium-Ionenakkus - und nicht zuletzt der schlanke weiße Turm im Außenbereich, in dem fast 500 Kilogramm Wasserstoff gelagert werden können. "Herten macht aus der 'Not des Strukturwandels' eine Tugend und setzt auf Zukunftstechnologien im Bereich der Energieversorgung. Wir freuen uns sehr, die erste Windstrom-Elektrolyse-Anlage NRWs in Betrieb zu nehmen", so Bürgermeister Dr. Uli Paetzel: "Mit dieser innovativen Energietechnologie wollen wir die Wirtschaftskraft der Region stärken, zukunftsfähige Arbeitsplätze schaffen und neue Unternehmen ansiedeln."

Prof. Dr. Karl Klug von der Westfälischen Hochschule Gelsenkirchen, der das Anlagenkonzept mitentwickelt hat, betont: "Der Schlüssel für eine stabile, sichere und hochwertige Energieversorgung mit regenerativer Energie ist das von uns entwickelte Energiekomplementärsystem, das das erforderliche Zusammenspiel der Windkraftanlage mit dem Elektrolyseur, den Energiespeichern, der Brennstoffzelle und den Verbrauchern regelt." Der Verbraucher ist in diesem Pilotprojekt das Anwenderzentrum selbst. Es soll künftig dezentral, also unabhängig vom öffentlichen Stromnetz, mit erneuerbarer Energie versorgt werden. Mit Hilfe eines Windkraft-Simulators wird die Windkraft in Echtzeit in das Versorgungssystem integriert, so dass der veranschlagte Energiebedarf des Anwenderzentrums h2herten im täglichen Lastgang tatsächlich zuverlässig, stabil und sicher bedient werden kann.

Die Anlage soll jährlich rund 250 Megawattstunden Strom und etwa 6.500 Kilogramm Wasserstoff für den Eigenbedarf des Anwenderzentrums h2herten erzeugen. Basis für die Energieversorgung aus erneuerbarer Energie ist die benachbarte Windkraftanlage Hoppenbruch. Dazu wurde ein Energiekomplementärsystem auf Basis von Wasserstoff entwickelt, das die fluktuierende Windkraft ergänzt. Konkret bedeutet das: Die Anlage produziert bei überschüssiger Windenergie mittels eines Elektrolyseurs Wasserstoff, der wiederum bei Flaute sowie zum Ausgleich von Spitzenlasten und zur Stabilisierung des Netzes in einem Brennstoffzellensystem rückverstromt werden kann.

Hintergrund: Anwenderzentrum h2herten GmbH

Wasserstoff, Brennstoffzellen, Energiespeicher, erneuerbare und intelligente Energien sind die Stichworte, die heute in Herten für die Zukunftsfähigkeit der Kommune und der Region stehen. Mit der Errichtung des Anwenderzentrums h2herten, wurde im Jahr 2009 das bundesweit erste auf Wasserstoff- und Brennstoffzellen-Technologien ausgerichteten kommunalen Technologiezentrum eröffnet. 1.800 m² Büro- und 1.200 m² Technikraumflächen bieten insbesondere kleinen und mittelständische Unternehmen sowie Neugründungen ideale Forschungs- und Arbeitsbedingungen. Mit dem Aufbau, der Inbetriebnahme und dem Alltagsbetrieb der Windstrom-Elektrolyse-Anlage wird ein weiterer Standortvorteil geschaffen, der Hertens Position als Kompetenzzentrum für zukunftsfähige Energiesysteme auf Basis erneuerbarer Energien und Wasserstoff festigt.
www.wasserstoffstadt-herten.de



(Quelle: Stadt Herten)