Seitenanfang

Sprungmarken

Hauptinhalt

MELDUNG:

Kreis Recklinghausen, 19. März 2012
Gemeinsame Veranstaltung von Kreis und Städten

Tag der Pflege

Infos rund um die häusliche Pflege für pflegende Angehörige
Zu wenig wahrgenommen, zu wenig anerkannt: Mehr als 16.000 unverzichtbare häusliche „Pflegestützpunkte“ im Kreis Recklinghausen Im sogenannten europäischen Jahr für aktives Altern und Solidarität zwischen den Generationen 2012“ gehört am „Tag der Pflege“, am 12. Mai das Kreishaus ab 10 Uhr den Pflegenden Angehörigen. An diesem Tag wollen die Altenhilfekoordinatoren nicht nur auf die Situation pflegender Angehöriger aufmerksam machen, sondern den Angehörigen über Vorträge und spezielle Beratungs- und Informationsangebote Möglichkeiten aufzeigen, wie sie ihre Situation besser gestalten und bewältigen können.

Mehr als 16.000 pflegebedürftige Menschen im Kreisgebiet werden nach dem derzeit noch gültigen Pflegeplan des Kreises Recklinghausen zu Hause gepflegt – in diesen Haushalten
leisten Eheleute, Lebenspartner, Töchter und Söhne gering oder gar nicht bezahlte Pflegearbeit – entweder allein oder mit zusätzlicher Unterstützung eines Pflegedienstes. Rund 16.700 kleine, aber unverzichtbare häusliche „Pflegestützpunkte“, die es zu stützen, zu informieren und zu motivieren gilt. Hinzu kommt eine noch unbekannte Anzahl von Pflegefällen, die keinen Anspruch auf Leistungen haben, die aber dennoch die Zuwendung und die Unterstützung ihrer Angehörigen brauchen.

Pflegende Angehörige fühlen sich oft im Stich gelassen und finden immer noch wenig gesellschaftliche Bestätigung. Wertschätzung und Anerkennung der pflegenden Angehörigen waren aber für die verantwortlichen Altenhilfekoordinatoren der Städte und des Kreises nicht allein der Grund, sich für eine gemeinsame Veranstaltung, besonders ausgerichtet auf die Zielgruppe der pflegenden Angehörigen, zu entscheiden.

„Familien, insbesondere die Töchter oder Schwiegertöchter pflegen ihre Angehörigen oft jahrelang und nehmen dafür selbst soziale Isolation und gesundheitliche Schäden in Kauf. Eine Entlastung pflegender Angehöriger ist daher für die zehn kreisangehörigen Städte und den Kreis ein ganz wichtiger Faktor, wenn wir über die Entwicklung wirksamer Versorgungssysteme nachdenken“ erläutert Peter Korte (Fachdienstleiter für Seniorenangelegenheiten bei der Kreisverwaltung) die gemeinsame Aktion von Städten und Kreis. „Wir meinen, dass Pflegende Angehörige sowohl auf sozialer als auch auf finanzieller Ebene wertvolle Dienste leisten. Dafür verdienen sie die Unterstützung durch die Gemeinschaft, zumal sie meist noch höheren Belastungen ausgesetzt sind als professionelle Pflegekräfte.“

Qualifizierte und in der Praxis stehende Referenten wie Frau Silke Niewohner von der Landesstelle für Pflegende Angehörige und Dr. med. Karl Ott, Facharzt für Innere Medizin der Geriatrie des Gertrudis-Hospitals in Westerholt konnten für die Veranstaltung gewonnen werden. Dr. Ott wird darüber sprechen, was eine Demenz eigentlich ist und wie man sie feststellt. Die Beratungs- und Infocenter Pflege stellen ihre Beratungsangebote, die sieben Betreuungsstellen aus dem Kreis die Vorsorgemöglichkeiten vor. Von Hilfen aus der Kinästhetik über Aktivierungsmöglichkeiten, individuelle Wohnberatung, gesunde Ernährung bis hin zu Urlaubsangeboten für Pflegebedürftige und Pflegende Angehörige spannt sich der Bogen der Angebote.

„Wir richten bewusst keine „Pflegemesse“ aus“, betont Peter Korte, „dafür wäre das Kreishaus auch bei der Fülle der Angebote im Kreis viel zu klein gewesen. Wir haben ganz gezielt spezielle Themenbereiche für die Interessen und Nöte von Pflegenden Angehörigen ausgewählt.“ Und die Verantwortlichen bieten noch einen weiteren Service an: Die Veranstaltung findet zwar an einem Samstag statt, wo es vielleicht leichter fällt, Pflegebedürftige in der Obhut der Familie zu belassen, doch wenn auch dies nicht geht, können zu pflegende Familienmitglieder selbstverständlich auch mitgebracht werden. Für eine fachgerechte Betreuung über die Zeit der Veranstaltung wird gesorgt. Das gleiche gilt für das leibliche Wohl: die Cafeteria im Kreishaus bietet an diesem Tag sowohl warme als auch kalte Speisen an.

Zahlen, Daten Fakten
  • Die Altenhilfekoordinatoren der zehn kreisangehörigen Städte und die Kreisverwaltung haben sich seit über 20 Jahren zu einem Arbeitskreis zusammengeschlossen und arbeiten gemeinschaftlich an ortsübergreifenden Themen der Altenhilfe und der Pflege. Das sicherlich bekannteste Projekt dieser frühen „interkommunalen Zusammenarbeit“ sind die Beratungs- und Infocenter Pflege im Kreis Recklinghausen
  • Die Veranstaltung im Kreishaus beginnt am 12.5. um 10 Uhr und endet um 16 Uhr. Nach den jeweils 30 Min. dauernden Vorträgen besteht auch Gelegenheit zur Nachfrage und Diskussion mit den Referenten
  • In Deutschland werden rund 4 Mio. von der Pflegekasse als pflegebedürftig anerkannte Menschen von ihren Angehörigen gepflegt. Hinzu kommen ca. 2,5 Mio. Hilfebedürftige, die keine Leistungen erhalten (Quelle: Sozialverband VdK Deutschland)
  • Nach dem derzeit noch gültigen Pflegeplan des Kreises wurden im Kreis Recklinghausen 2007 mindestens 16.732 Menschen mit oder ohne professionelle Hilfe zu Hause gepflegt. Ein neuer Pflegeplan wird Ende 2012 vorliegen – der Kreis rechnet in seinem Gebiet mit einer Steigerung der Anzahl ambulant gepflegter Menschen
  • 114 ambulante Pflegedienste sind derzeit im Kreis angesiedelt. Gut 4.500 Menschen nehmen deren prof. Hilfe in Anspruch, das sind rund 28% aller daheim gepflegten Menschen
  • Pflegende Angehörige sind im Schnitt rund 37 Stunden pro Woche im Einsatz, in der Pflegestufe III sogar 54,2 Stunden. Das ist mehr als die zulässige Höchstarbeitszeit pro Wochen (Quelle: Sozialverband VdK Deutschland)
  • Durch den Einsatz der Angehörigen werden Kosten bei der professionellen Pflege eingespart. Dies entlastet Beitrags- und Steuerzahler um Milliardenbeträge. Laut Sozialverband VdK Deutschland würden ohne pflegende Angehörige 3,2 Mio. mehr Vollzeit-Pflegekräfte benötigt.

    (Quelle: Kreis Recklinghausen)