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Recklinghausen, 05. März 2012

Projekt „Keine leichten Pakete“

Geschichte hautnah erleben
Max-Born-Berufskolleg: Keine leichten Pakete
Keine leichten Pakete für die Schüler. Foto: Max-Born-Berufskolleg
In den vergangenen Jahren wurden dem Goethe-Institut in Jerusalem immer wieder Bücherspenden angeboten, die aus den Nachlässen jüdischer NS-Emigranten stammen und nach 1933 nach Palästina gelangt sind.

Das Goethe-Institut hat aus dieser Sammlung zu verschiedenen Emigranten Bündel geschnürt, die unter dem Namen „Keine leichten Pakete“ für Schulklassen in Deutschland zur Verfügung gestellt werden. Die Leiterin des Jerusalemer Goethe-Instituts Simone Lenz hat in Zusammenarbeit mit der Holocaust-Gedenkstätte Jad Vaschem, der Bezirksregierung Münster (Lehrerfortbildung) und Partnerschulen in Deutschland dieses Buchprojekt initiiert. Die Pakete enthalten z.B. wertvolle Editionen von Heine, Schiller und Goethe oder auch Kinderbücher, Ratgeber, Reiseführer. Zu jedem Emigranten gibt es ein Begleitheft, das sein Emigrationsschicksal, seine Lesevorlieben, die Familiengeschichte sowie biografisches Fotomaterial enthält.

Die Schüler erfahren auf diese außergewöhnliche und direkte Weise viel über die Geschichte der Bücher und ihrer aus Deutschland geflüchteten Sammler. Sie begegnen der deutsch jüdischen Kultur vor 1933, werden aber auch mit ihrem gewaltsamen Ende im nationalsozialistischen Deutschland konfrontiert und mit der Geschichte der jüdischen Immigration nach Israel. Zum Beispiel durch Jochanan Winter, geboren als Hans Winter 1920 in Königsberg, verstorben 2007 in Jerusalem. 1933 floh er im Alter von 13 Jahren mit seinem älteren Bruder nach Palästina. Die Eltern konnten ein Jahr später emigrieren, im Gepäck viele Bücher, die ihnen etwas bedeuteten und die sie wahrscheinlich unter Todesangst mitnahmen.

Dieses Exemplar der Sammlung ging kürzlich auch per Post an das Max-Born-Berufskolleg. Den Ausschlag gab ein Fortbildungsseminar an der israelischen Holocaust-Gedenkstätte Jad Vashem, das von einem Lehrer des Berufskollegs besucht wurde.

Die authentischen Zeugnisse sollen nun fächerübergreifend bearbeitet werden. Die Ergebnisse der Auseinandersetzung mit diesem ungewöhnlichen und so „begreifbarem“ Unterrichtsstoff sollen in einer Ausstellung münden.

(Quelle: Max-Born-Berufskolleg)