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Kreis Recklinghausen, 18. November 2011

Danke für Ihren Versöhnungswillen!

Vestischer Ehrenbürger: Rolf Abrahamsohn
Vestischer Ehrenbürger - Rolf Abrahamsohn
Der Vestische Ehrenbürger Rolf Abrahamsohn mit Landrat Cay Süberkrüb und Schwester Johanna Eichmann, die die Laudatio gehalten hat.
„Die Ehrung gilt Ihrer Persönlichkeit, Ihrem Verdienst und Ihrem Vorbild“ – Landrat Cay Süberkrüb ernannte den Marler Rolf Abarahamsohn am Donnerstag im Kreishaus zum Vestischen Ehrenbürger. In einer bewegenden Feierstunde, an der auch Regierungspräsident Prof. Dr. Reinhard Klenke sowie die drei weiteren Vestischen Ehrenbürger, Dr. Werner Burghardt, Dr. Carl-Otto Still und Schwester Johanna Eichmann sowie zahlreiche geladene Gäste teilnahmen.

Der Große Sitzungssaal im Kreishaus war bis auf den letzten Platz besetzt, die zusätzlich herangeschafften Stühle eingeschlossen. Bei der Rede des Landrats und auch der anschließenden Laudatio konnte man die sprichwörtliche Nadel fallen hören.

Cay Süberkrüb spricht von Krieg und Frieden, von Erinnerung, Vernichtungslagern und der Scham für das, was in Deutschland und über die Grenzen hinaus geschehen ist. Er erinnert daran, wie schwer vorstellbar es war, dass es in Deutschland wieder jüdische Gemeinden geben würde. Und betonte voller Anerkennung, was der Vestischen Ehrenbürger für den Kreis Recklinghausen und vor allem für die jungen Menschen geleistet hat: ‚Elie Wiesel hat es einmal so beschrieben: Schweigen ist verboten, Sprechen ist unmöglich.’ Lieber Rolf Abrahamsohn, Sie haben in diesem Sinne Unmögliches geleistet. Sie haben in der Ihnen eigenen ganz besonderen Art ermahnt, nicht wegzusehen, wenn Zivilcourage und Mut gefragt sind. Weil Sie es anders erlebt haben, ist es Ihnen ein ganz wichtiges Anliegen, junge Menschen zu festigen, damit sie nicht für dumpfe Parolen offen, sondern gegen sie gewappnet sind.“

Und so schließt der Landrat seine Rede: „Deshalb bewundern wir Ihre Stärke, Ihre Ausdauer und Ihren Lebenswillen, obwohl Sie auf brutalste Art und Weise Not, Angst und Verletzbarkeit während der NS-Zeit zu ertragen hatten. Ich danke Ihnen ganz herzlich für Ihr Engagement für Demokratie und Toleranz! Und ich danke Ihnen ausdrücklich und herzlich für Ihren Versöhnungswillen!“

Schwester Johanna Eichmann hat nicht lange gezögert, als Cay Süberkrüb sie fragte, ob sie die Laudatio halten würde: „Ich freue mich sehr, dass Du diese Auszeichnung bekommst.“ Sie lässt die Anwesenden teilhaben an der gemeinsamen Geschichte ihrer beiden Familien. Entführt Rolf Abrahamsohn und die Gäste in die Zeit, als ihr Vater und sein Großvater in der Emigration um 1940 herum zusammen in einer Wohnung in Brüssel gewohnt haben. Lässt keinen Zweifel aufkommen, welche Bedeutung das Engagement des Vestischen Ehrenbürgers für den Wiederaufbau einer jüdischen Gemeinde im Kreis Recklinghausen hatte und bis heute hat.

„Du legst durch Deine Vergangenheit, durch das Dir zugefügte Leid Zeugnis dafür ab, dass es in der Welt das Böse gibt. Aber Du zeigst uns auch durch Dein Verhalten, dass man dabei selber ein guter Mensch sein und bleiben kann. Das Vest Recklinghausen erklärt Dich heute zu seinem Ehrenbürger, 70 Jahre nach der Flucht Deines Vaters aus diesem Vest. Du wirst zu Recht geehrt. Aber es ehrt auch die Stadt, den Kreis und das Vest“, sagt Schwester Johanna.

Mit stehenden Ovationen zeigen die Anwesenden ihre Anerkennung für das Engagement Rolf Abrahamsohns. Der 86-Jährige schafft es mit seiner bewegten Rede – einmal mehr – die Erinnerung seiner Zuhörer an das Vergangene wach zu halten und sie gleichzeitig zum Lachen zu bringen.

(Quelle: Kreis Recklinghausen)
Dokumente:
Rede: Vestischer Ehrenbürger Rolf Abrahahmsohn