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Persönliches

Der kleine rote Drache

Der kleine rote Drache
Der kleine rote Drache
Am Zauberberg unter den Himmelsbögen zwischen Recklinghausen und Herten lebt der kleine rote Drache. Es ist ein guter, ein hilfsbereiter, ein wirklich lieber Drache, auf dessen Rücken alle Menschen vom Park in Recklinghausen hinüber zum Zauberberg reiten können. Nur, woher stammt der kleine rote Drache – heute gibt es doch keine Drachen mehr?

In einer Zeit, als die großen Echsen und Drachen auf der Erde lebten, gab es auch eine Drachenfamilie, die durch ihre rote Farbe auffiel. Die roten Drachen hielten zusammen, kümmerten sich umeinander und halfen sich, die Stellen mit den frischesten Farnen und den feinsten Blattspitzen zu finden.

Lange bevor der Mensch sich an der Emscher niederließ ging die Zeit der Drachen und Echsen zu Ende. Der letzte rote Drache legte ein letztes feuerrotes Drachenei, scharrte Laub und Erde darüber und überließ es der Zeit. Die Jahre gingen ins Land, das Ei wurde von Kohle und Gesteinsschichten bedeckt.


Zauberberg und Himmelsbögen

Das Ei des letzten roten Drachen an der Emscher ruhte lange Jahre tief in der Erde. Vor fast 200 Jahren dann entdeckten die Menschen an Ruhr und Emscher die tief in der Erde verborgenen Kohleschichten und die Kraft und Wärme, die die Kohle ausstrahlen konnte. Sie gruben nach Kohle und schütteten das taube Gestein zu großen Haufen, den Halden.

Oft waren diese Halden keine Schönheiten, es waren Kegel oder eintönige Haufen, keine Berge, in denen Trolle, Feen und Drachen leben konnten. Erst als die Menschen sich sagten, dass solche Steinhaufen doch anders aussehen müssten, so wie richtige Berge, mit Bäumen und Wegen und Tälern, wurden die Tiere wieder heimisch und mit den Tieren kehrten auch die Trolle und Elfen zurück in den Emscherbruch.

Manche Menschen riefen: „Seht doch, ein Zauberberg“, andere meinten, „Landschaftspark Hoheward“ klinge viel moderner. Den Trollen und Elfen war es egal, sie hatten ihre Tanzplätze im Nebel wiedergefunden, auch die Tümpel mit den Glühwürmchen.

Die Menschen merkten, dass man oben auf diesem Berg viel näher am Himmel war, dass die Autos gar nicht mehr zu hören waren und einer von ihnen hatte die Idee: „Hier oben gehören Himmelsbögen hin, die zeigen, wie die Sonne steht.“ Und dann sah man von Weitem die mächtigen Bögen wachsen, sich recken und zusammenstoßen und endlich stehen, von weit her sichtbar.

Weitere Jahre gingen ins Land. Das Ei des feuerroten Drachen lag weiter von Kohle- und Gesteinsbrocken bedeckt.


Der kleine rote Drache schlüpft

Eines Tages, als ob die Himmelsbögen einen Blick in die Vergangenheit geöffnet hatten, wurde aus den tiefen Kohleschichten ganz verstaubt und grau das Ei des roten Drachen ans Tageslicht gebracht und achtlos neben anderen Steinen auf der Halde abgelegt. Der erste Regen wusch den Staub ab und das Ei leuchtete plötzlich wie ein feuerroter Edelstein.

Die Sonne wärmte das Drachenei und nach einiger Zeit schlüpfte daraus ein kleiner roter Drache. Er huschte auf dem Zauberberg herum, machte die Wege unsicher, sorgte für tiefe Schlammpfützen und drehte die Wegweiser für die Fahrradfahrer um - er hatte nur Unsinn im Kopf. Nachdem er nachts beim Toben einmal fast die Himmelsbögen umgeworfen hätte, da berieten die Trolle und Feen und Elfen. „Der braucht Gesellschaft“, hieß es. „Der braucht was zu tun“, rief ein anderer: „Rote Drachen müssen helfen können, sonst kommen sie auf dumme Gedanken.“. Schnell war klar, dass der rote Drache Gesellschaft bräuchte, viele Menschen, die auf seinem Rücken rumklettern könnten.

Gesagt getan: Seither bietet der rote Drache tagsüber seinen Rücken als Brücke an, damit die Menschen aus Recklinghausen ohne Gefahr die Straße zwischen dem Zechenpark und dem Zauberberg überqueren können, um hinauf zu den Himmelsbögen zu steigen.

Nachts wird ihm von Zeit zu Zeit immer noch manchmal langweilig. Denn am Abend und in der Nacht kommen keine Menschen, die mit seiner Hilfe gefahrlos zum Zauberberg gelangen wollen. Dann startet er und fliegt über alle Städte im Kreis Recklinghausen. Damit niemand seine Abwesenheit bemerkt, ist er an jedem Morgen, bevor die Menschen erwachen, wieder an seinen Platz. Unbeweglich steht er – nur manchmal kann man sehen, wie er Kindern zuzwinkert.


Wie es weiter geht

Man kann gespannt sein, was der kleine rote Drachen bei seinen nächtlichen Reisen weiter erlebt.

Helft uns die Geschichte weiter zu erzählen. Schreibt ein neues Abenteuer des kleinen roten Drachen. Wenn es in die Geschichte passt und die Menschen unterhalten und erfreuen kann, veröffentlichen wir sie auf dieser Website. Die Geschichte sollte nicht zu kurz und nicht zu lang sein.
Sendet den Text an info@cay-sueberkrueb.de



Neues vom roten Drachen:

Der rote Drache (Tobias, 7 Jahre)
Neulich war ich mit meinen Eltern zum ersten Mal auf der Halde. Nachdem wir den ersten Aufstieg genommen hatten erblickte ich plötzlich den roten Drachen, wie er hoch über die Halde und die Bäume hinweg seinen Kopf in den Himmel streckte.

Zunächst durchfuhr mich ein großer Schreck, weil ich doch wusste, dass es eigentlich keine Drachen geben konnte. Dann allerdings erklärte mir meine Mutter, dass es sich hierbei um ein ganz wertvolles Symbol handele: Der Drachenrücken stellt nicht nur eine Verbindung zwischen den Städten Recklinghausen und Herten her, sondern verbindet so auch die Menschen, egal welcher Rasse oder Hautfarbe, miteinander oder führt sie zusammen.

Schön wäre es, wenn es doch auf der ganzen Welt solche Drachen geben könnte.


Der rote Drache hilft dem kleinen Pferd
(Marie 11 Jahre)

In einer schönen, klaren Sommernacht, als sich der rote Drachen gerade die Sterne ansah, kam ein kleines Eichhörnchen zum Drachen. Es sagte ganz verzweifelt zu ihm: „Kleiner roter Drache, bitte hilf mir! Ich komme gerade vom Feuler-Hof in Marl, Jonas, eins der Pferde, auf dem die behinderten Kinder immer reiten dürfen, hat sich am Zaun den Huf eingeklemmt. Kannst Du ihn befreien, sonst kann er morgen nicht beim Therapie-Reiten mitmachen.“

Der kleine rote Drachen sah sich das Eichhörnchen an – viel zu klein, um einen Pferdehuf aus der Klemme zu befreien und völlig verzweifelt. Mit dem Eichhörnchen auf dem Rücken schwang er sich in die Luft nach Norden. Das Eichhörnchen flüsterte ihm die Richtung ins Ohr und so landeten sie direkt neben der Pferdewiese.

Die Pferde auf dem Feulerhof sind sehr geduldig und ruhig, weil sie ja ausgebildete Therapiepferde sind. Jonas aber ging es wirklich schlecht. Mit verdrehtem, eingeklemmtem Huf stand er am Zaun und konnte sich nicht befreien. Zweimal Feuerfauchen, den Draht auseinander biegen und vorsichtig den Huf anheben – schon war Jonas frei und trabte erleichtert zur Tränke.

Am Morgen, als der kleine rote Drache schon wieder am Zauberberg war, holten die Zivis des Feulerhof Jonas in den Stall um das Pferd zu putzen und zu satteln. Dem Huf des Pferdes ging es schon wieder richtig gut. Keiner hatte von der nächtlichen Rettungsaktion etwas gemerkt. Jonas konnte laufen wie ein junges Fohlen und die behinderten Kinder hatten viel Spaß bei Reiten.

Der kleine rote Drachen musste heute aber bis in den Vormittag ausschlafen und merkte gar nicht, dass die ersten Menschen schon wieder über seinen Rücken auf den Zauberberg liefen.


Ein Dieb in der Sternwarte
Marie, 11 Jahre

Nun hört er eine leise sanfte Stimme summen: „Bitte hilf mir! Alles ist weg. Die Sternwarte wurde bestohlen. Der Dieb hatte es auf die ganz alten, historischen Karten mit gezeichneten Sternbildern und auf alte Bücher über Astronomie abgesehen.
Wir haben den Übeltäter zwar gefasst, aber wir bekommen die ganzen Karten und Bücher nicht mehr rechtzeitig zurück in die Sternwarte. Morgen früh werden wieder viele Menschen kommen um sich das Planetarium und die Bibliothek anzuschauen. Und wenn die Bücher und Karten heute Nacht draußen liegen bleiben, gehen sie kaputt.“

Die Stimme, die da ins Ohr des kleinen Drachen summte, kam von einer Biene. Der Drache ließ sie in seiner Ohrmuschel Platz nehmen, nachdem sie versprochen hat, auf keinen Fall zu stechen und folgte dem Summen der Biene. Sie führte ihn zur Sternwarte in Recklinghausen am Festspielhaus.

Überall auf den Wiesen und im Gebüsch lagen die alten vergilbten Bücher und Karten. Der kleine Drache tat sein Bestes. In Windeseile sammelte er die verstreuten Gegenstände auf und brachte sie zurück an ihren alten Platz. Doch langsam begann die Sonne aufzugehen und man hörte schon die Mitarbeiter der Sternwarte kommen.

Der kleine rote Drache legte schnell die letzte Karte in ihr Fach und flog zurück zum Zauberberg. Die Biene rief ihm noch viele Dankworte hinter her. Aber der Drache lag schon am Zauberberg und schlief, während eine ganze Schulklasse über seinen Rücken hoch zum Zauberberg tobte.


Die verlorene Schraube
Marie, 11 Jahre

Der kleine rote Drache war gerade dabei seine Runden hoch oben über den Himmelsbögen zu ziehen, als er vom Schiffshebewerk in Waltrop ein lautes „Platsch!“ hörte. Er flog tief hinunter und steckte den Kopf ins Wasser, um sich umzusehen. Er war nämlich nicht nur ein Flugdrache, sondern auch ein Tauchdrache – so wie heute die Krokodile.

Am Schleusentor erblickte er einen dicken Karpfen der mit aller Kraft an einer Schraube zerrte. Als der dicke Willi, so hieß der Karpfen, den Drachen sah, kam er zu ihm geschwommen und sagte: „Hilf’ mir! Diese Schraube ist vom Schleusentor abgefallen! Sie ist sehr wichtig. Und alleine kann ich sie nicht wieder nach oben ziehen. Du musst sie wieder in die Verankerung stecken! Sonst blockiert morgen das Schleusentor und die Schiffe im Kanal kommen nicht weiter, weil sie nicht angehoben werden können. Außerdem muss ich mit meiner Familie immer heimlich auch durch die Schleuse, je nachdem, wo gerade ein Angelwettbewerb stattfindet.“

Der kleine Drache nahm die Riesenschraube. Sie war groß und sehr schwer. Doch der Drache konnte sie gerade so anheben und wieder in die vorgesehene Verankerung stecken. Der dicke Willi war sehr glücklich, dass die Schraube wieder an ihrem Platz war. Nun konnten die Schiffe wieder problemlos gehoben werden und sein Fluchtweg vor den Anglern war nicht mehr versperrt.

Der kleine rote Drache flog zurück zum Zauberberg und schlief gleich ein. Noch wusste er nicht, dass ihn morgen sein bisher größtes Abenteuer erwarten würde...


Ein Geist auf Schloss Wittringen
Marie, 11 Jahre

Heute war eine stürmische Nacht und der rote Drache hatte Schwierigkeiten bei seinem Flug über das Kreisgebiet auf Kurs zu bleiben. Der Wind drängte ihn ab und er landete notgedrungen vor dem Wasserschloss Wittringen in Gladbeck.

Er schlich ins Schloss und schaute sich die Räume erst einmal ganz genau an. Nach einer Weile kam er in das Restaurant. Er überlegte, ob er sich etwas zu Essen nehmen sollte. Er nahm sich etwas. Er aß und aß.

Doch plötzlich begann das Licht zu flackern. Der kleine Drache sah auf. Auf einmal rauschte ein kalter Windzug vorbei. Der Drache räumte schnell alle Essenssachen zusammen und schlich weiter. Nun betrat er das Museum. Als er leise die Treppen hoch ging hörte er plötzlich eine piepsige Stimme: „Hilfe, Hilf mir. Da drinnen ist ein Geist!“

Der kleine rote Drache antwortete: „Es gibt doch gar keine Geister!“ Doch dann sah er etwas, das ihm die Nackenschuppen hochstellte. Er sah ein weißes Etwas, das flog. Schnell rannte er weg und versteckte sich hinter einem Schrank.

Die piepsige Stimme, die einer Maus gehörte, sagte: „Siehst Du jetzt, da ist doch ein Geist!“ Nun war auch der kleine Drache davon überzeugt, dass es ein Geist war. „Vielleicht war es ja gar kein Geist“, flüsterte er der Maus zu, um sich selber Mut zu machen. Vorsichtig lugte er hinter dem Schrank in den Raum hinein.

Der Geist hatte sich von der Stelle bewegt. Nun flatterte er im Wind. Der Geist sah gar nicht mehr so gruselig aus. Der kleine Drache fasste all seinen Mut zusammen und schlich sich in den Raum. Dann fiel ihm ein Stein vom Herzen: der vermeintliche Geist war nur eine Gardine, die im Wind flatterte. Das zeigte er der Maus, die sich nun langsam beruhigte.

Doch es wurde schon bald Morgen und der Drache musste sich auf den Heimweg machen. Am Zauberberg angekommen erzählte er seinen Freundinnen, den Feen und Elfen von seinem Abenteuer.